Hiroshimatag 2019 – ICAN Austria Rede

Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde!
Sehr geehrte Damen und Herren!

„An Dutzenden von Orten weltweit – in Raketensilos, die in unserer Erde eingegraben sind, auf U-Booten, die durch unsere Ozeane navigieren, und an Bord von Flugzeugen, die hoch oben an unserem Himmel fliegen – gibt es 15.000 Objekte, die die Menschheit zerstören können.
Vielleicht ist es die Ungeheuerlichkeit dieser Tatsache, vielleicht auch das unvorstellbare Ausmaß der Folgen, die viele dazu bringen, diese düstere Realität einfach zu akzeptieren. Die ihr tägliches Leben führen wollen, ohne an diese Instrumente des Wahnsinns um uns herum zu denken.
Denn es ist Wahnsinn, wenn wir zulassen, dass diese Waffen uns regieren.“
Mit diesen Worten leitete Beatrice Fihn, internationale Direktorin von ICAN, der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Nuklearwaffen, ICANs Rede in Oslo anlässlich der Verleihung des Friedensnobelpreis 2017 ein.

An hunderten von Orten weltweit jedoch stehen heute Menschen wie wir und gedenken der Katastrophen von Hiroshima und Nagasaki. Ein Gedenken als Warnung, aber auch als Gegenentwurf für eine zukünftige Welt ohne Nuklearwaffen. Wir freuen uns, dass sich auch heuer wieder Menschen hier zusammengefunden haben, die diese Vision teilen.

Unser gemeinsamer Einsatz dafür, dass sich der Schrecken von Hiroshima und Nagasaki niemals mehr wiederholt, ist von enormer Bedeutung.

Gerade in Österreich können wir uns auf einen starken Rückhalt in der Bevölkerung stützen und unser Land tritt auch international mit Nachdruck für eine Welt ohne Nuklearwaffen ein. Österreich war maßgeblich daran beteiligt, den Vertrag über das Verbot von Nuklearwaffen auf den Weg zu bringen und war im Frühjahr 2018 der weltweit 9. Staat, der diesen Vertrag ratifiziert hat.

Eine Welt frei von Nuklearwaffen ist möglich.

Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass auch die weltweite Mehrheit der Staaten, die für den Verbotsvertrag im Juli 2017 gestimmt hat, nicht automatisch bedeutet, dass diese Waffen von allein verschwinden. Ganz im Gegenteil, fast alle Nuklearmächte arbeiten ungeachtet Ihrer Verpflichtungen zur Abrüstung durch bestehende internationale Verträgen (u.a. Artikel VI des Atomwaffensperrvertrags NPT) derzeit an der Modernisierung ihrer Nuklearwaffenarsenale. Dieses Jahr stehen wir mit zwei Minuten vor Mitternacht auf der Weltuntergangsuhr des renommieren „Bulletin of the Atomic Scientists“, so nah an einer globalen Katastrophe wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Seit 2017 jedoch gibt es jedoch Hoffnung durch den UN Verbotsvertrag. Demokratie und Mitbestimmung sind in das Feld der nuklearen Abrüstung gekommen.

70 Staaten haben diesen bisher unterschrieben, jedoch nur 25 auch ratifiziert. Österreich war einer der ersten Staaten, die diesen Vertrag ratifiziert haben. 50 werden benötigt, damit der Vertrag in Kraft tritt. Erst dann wird er nach internationalem Recht wirksam. Dies wird den Druck auf diejenigen Staaten, die Nuklearwaffen besitzen, deutlich erhöhen. Wir laden alle ein, den Regierungen und Parlamentariern in den Staaten zu schreiben, die schon unterschrieben aber noch nicht ratifiziert haben.

Wir dürfen nicht vergessen, was wir heute oder morgen tun können, damit Hiroshima und Nagasaki nie mehr geschehen können.

In diesem Sinne senden wir herzliche Friedensgrüße,
ICAN Austria