FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Nordkoreas Nuklearwaffentest

Was ist bisher bekannt?

Am 6. Jänner 2016 berichteten Nordkoreas Staatsmedien, dass ein erfolgreicher Test einer Wasserstoffbombe durchgeführt wurde. Diese Ankündigung folgte einem Statement der in Wien ansässigen Organisation des Atomteststoppvertrags (CTBTO), dass eine unübliche seismische Aktivität auf Nordkoreas zuletzt 2013 verwendetem Testgelände gemessen wurde. Die CTBTO verfügt über ein weltweites Netz an Messstationen, um seismologische Aktivitäten auf Grund möglicher Atomtests zu überprüfen.

Unabhängige Expert*innen prüfen derzeit noch, ob es sich tatsächlich, wie von Nordkorea behauptet, um eine Wasserstoffbombe gehandelt hat. Sollten sich diese Angaben bestätigen, wäre dies der vierte von Nordkorea seit 1996 durchgeführte Test – und der erste Test einer Wasserstoffbombe, deren Sprengkraft um ein Vielfaches größer als jener Bomben ist, die 1945 über Hiroshima und Nagasaki detonierten.

CTBTO-Direktor Lassina Zerbo erklärte in einem am 6. Jänner veröffentlichten Statement, dass der Test – sollte sich dieser bewahrheiten – gegen die universell etablierte Norm gegen Atomtests verstoßen würde, die von 183 seit 1996 eingehalten wurde.

Wieviele Nuklearwaffen besitzt Nordkorea?

Es ist zwar offiziell geläufig, dass Nordkorea seit den 1960er-Jahren aktiv an einem Nuklearwaffenprogramm arbeitet, doch über Details ist wenig bekannt. Laut dem Stockholmer Internationalem Friedensforschungsinstitut SIPRI, welchesjährlich einen Bericht über Nuklearwaffenarsenale weltweit veröffentlicht, könnte Nordkorea (basierend auf der geschätzten Anreicherungskapazität von
Nordkoreas Nuklearreaktor) über genug spaltbares Material für etwa 8 Nuklearwaffen verfügen.

Nordkorea hat bereits dreimal Nuklearwaffen getestet – das letzte Mal im Februar 2013. Es wird vermutet, dass es sich hierbei um sehr „einfache“ Kernwaffen handelte, zu groß und sperrig, um auf einer Rakete befestigt oder per Flieger abgeworfen zu werden.

Sollten sich Nordkoreas Behauptungen bewahrheiten, dass es sich diesmal um eine Wasserstoffbombe handelte, klein genug für Trägersysteme und um ein Vielfaches zerstörerischer als herkömmliche Nuklearwaffen, würde das einengefährlichen Fortschritt  der nordkoreanischen nuklearen Kapazitäten bedeuten.

Sind Nuklearwaffen und das Testen von diesen Waffen nicht verboten?

Der Atomteststoppvertrag (CTBT) verbietet das Testen von Nuklearwaffen und wurde bislang von 183 Staaten unterzeichnet. Doch zwanzig Jahre nach Annahme des Vertrages ist dieser immer noch nicht in Kraft getreten, da die Ratifikation durch acht Staaten noch ausständig ist (Ägypten, China, Indien, Iran, Israel, Kongo, Nordkorea,  Pakistan und USA). Trotzdem gilt das Testen von Nuklearwaffen als Verstoß einer weitbeachteten völkerrechtlichen Norm.

Der Besitz von Nuklearwaffen und das Drohen mit dem Einsatz einer solchen Waffe sind hingegen im Völkerrecht nicht klar verboten. Damit sind Nuklearwaffen die einzigen noch nicht verbotenen Massenvernichtungswaffen. Der Atomwaffensperrvertrag (NPT) untersagt jenen Vertragsstaaten, die zum Zeitpunkt seiner Unterzeichnung noch kein Nuklearwaffenarsenal hatten, solche zu akquirieren – und verpflichtet die Vertragsstaaten, die im Besitz der Waffe sind (die sogenannten Nuklearwaffenstaaten) zur Abrüstung.

Würde ein Nuklearwaffenverbot im Falle von Nordkorea etwas nützen?

Ein Verbotsvertrag wird eine völkerrechtliche Norm gegen den Besitz von Nuklearwaffen begründen und somit den wahrgenommenen Wert dieser Waffen schmälern. Er würde eine scharfe Trennung ziehen zwischen jenen Staaten die der Meinung sind dass Nuklearwaffen nicht akzeptabel und illegitim sind, und jenen die sie als legitim erachten und ihnen die Fähigkeit zusprechen nationale sowie internationale Sicherheit zu gewähren.

Nordkorea gibt an, durch das Nuklearwaffenprogramm und die Tests die nationale Sicherheit gewährleisten zu wollen – es sind dieselben Argumente, die jeder andere nuklear bewaffnete Staat ins Feld führt. Nordkorea hat angekündigt, dass es nun „stolz in den höheren Rang der Nuklearwaffenstaaten“ aufsteige und mit der „mächtigsten nuklearen Abschreckung“ als Instrument zur Selbstverteidigung gegen die „stetig wachsende nukleare Bedrohung und Erpressung durch US-Kräfte“ ausgerüstet sei.

Erst 2015 erklärte der französische Staatspräsident Francois Hollande, dass Frankreichs Nuklearwaffen es dem Land ermöglichten, „seine Handlungs- und Entscheidungsfreiheit unter allen Umständen zu bewahren, indem jede Form derDrohung und Erpressung ausgeschlossen wird… Unsere nuklearen Streitkräfte müssen in der Lage sein, absolut untragbare Schäden in den politischen, wirtschaftlichen und militärischen Machtzentren eines Gegners anzurichten“.

Solange Nuklearwaffen weiterhin als legitime und nützliche Mittel dargestellt werden, Sicherheit zu gewährleisten, besteht für andere Staaten ein Anreiz, sich selbst mit solchen auszurüsten.

Ein Verbotsvertrag würde eine völkerrechtliche Norm gegen Nuklearwaffen begründen und damit nicht nur Druck auf Nuklearwaffenstaaten ausüben auf ihre Waffen zu renunzieren, sondern auch positive Weichen für Fortschritte in den Beziehungen mit Nordkorea stellen.

Was ist eine Wasserstoffbombe und warum ist das relevant?

Die Sprengkraft einer Wasserstoffbombe ist um ein Vielfaches größer, als jene einer herkömmlichen Atombombe. Sollten sich die Angaben der nordkoreanischen Regierung bewahrheiten, würde dies einen großen Fortschritt für ihr Arsenal bedeuten.

Expert*innen weltweit arbeiten derzeit noch an der Überprüfung der Messungen, um festzustellen, um welche Art Bombe es sich gehandelt hat. Wegen der vergleichsweise schwachen seismischen Aktivität, die durch den Test ausgelöst wurde, gibt es derzeit jedoch Zweifel an der Behauptung.

Für weitere Informationen zum Funktionieren der Wasserstoffbombe hier.

Philine Scherer-Dressler

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